Geänderte Anforderungen: 15 Zeichen an denen man sie erkennt!

Geänderte Anforderungen: 15 Zeichen an denen man sie erkennt!

Veröffentlich von Thorsten Körner am 13. Dezember 2024 in Anforderungsmanagement

Geänderte Anforderungen: 15 Zeichen, an denen man erkennt, dass sich Anforderungen geändert haben

Das Anforderungsmanagement ist ein zentraler Aspekt im Projektmanagement, da es die Grundlage für den Erfolg oder Misserfolg eines Projekts bildet. Anforderungen definieren, was ein Projekt erreichen soll, welche Funktionen ein Produkt haben muss oder welche Dienstleistungen geliefert werden sollen. Doch Anforderungen sind selten statisch. Sie ändern sich oft im Laufe eines Projekts, sei es aufgrund von neuen Erkenntnissen, Marktveränderungen oder internen Umstrukturierungen.

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Als Senior Project Consultant ist es entscheidend, diese Änderungen frühzeitig zu erkennen, um unnötige Risiken, Kostensteigerungen und Verzögerungen zu vermeiden. In diesem Blogbeitrag stelle ich 15 Zeichen vor, an denen Sie erkennen können, dass sich Anforderungen geändert haben, und wie Sie darauf reagieren sollten, um Ihr Projekt auf Kurs zu halten.

1. Stakeholder-Anfragen nach neuen Funktionen

Ein klares Indiz für geänderte Anforderungen sind Anfragen von Stakeholdern nach neuen oder erweiterten Funktionen. Oft werden diese Anfragen beiläufig gestellt, etwa in Meetings oder E-Mails, aber sie können weitreichende Auswirkungen haben. Es ist wichtig, solche Anfragen nicht nur als „Wunschlisten“ zu betrachten, sondern ihre Auswirkungen auf das gesamte Projekt zu analysieren.

Tipp: Halten Sie regelmäßige Anforderungs-Review-Meetings ab, um solche Anfragen systematisch zu erfassen und zu prüfen, ob sie tatsächlich eine Änderung der ursprünglichen Anforderungen darstellen.

2. Veränderungen im Geschäftsmodell oder der Unternehmensstrategie

Wenn sich das Geschäftsmodell oder die Strategie eines Unternehmens ändert, hat das oft direkte Auswirkungen auf laufende Projekte. Ein Wechsel von einem produktorientierten zu einem dienstleistungsorientierten Modell beispielsweise erfordert möglicherweise neue Funktionen, Prozesse oder Systeme. Solche strategischen Änderungen können leicht übersehen werden, wenn sie nicht explizit in die Projektkommunikation eingebunden werden.

Tipp: Halten Sie engen Kontakt zur Geschäftsführung und den strategischen Entscheidern, um sicherzustellen, dass Ihr Projekt weiterhin mit den übergeordneten Zielen des Unternehmens übereinstimmt.

3. Veränderte gesetzliche oder regulatorische Anforderungen

Regulatorische Rahmenbedingungen ändern sich häufig, besonders in stark regulierten Branchen wie Finanzen, Gesundheitswesen oder Energie. Neue Vorschriften können dazu führen, dass bestehende Anforderungen angepasst werden müssen, um Compliance zu gewährleisten. Dies kann erhebliche Auswirkungen auf die Architektur und den Umfang eines Projekts haben.

Tipp: Implementieren Sie einen Mechanismus zur Überwachung von rechtlichen und regulatorischen Änderungen, und stellen Sie sicher, dass diese frühzeitig in den Anforderungsprozess integriert werden.

4. Veränderte Prioritäten im Projektportfolio

Oft ändern sich Anforderungen, wenn sich die Prioritäten innerhalb eines Projektportfolios verschieben. Wenn ein Projekt plötzlich eine höhere Priorität erhält oder zurückgestuft wird, hat dies möglicherweise Auswirkungen auf den Funktionsumfang oder die Zeitpläne der Anforderungen.

Tipp: Regelmäßige Portfolio-Management-Meetings helfen dabei, die Prioritäten klar zu definieren und sicherzustellen, dass alle Änderungen im Anforderungsmanagement-Prozess reflektiert werden.

5. Unerwartete technische Herausforderungen

Manchmal führen technische Herausforderungen dazu, dass Anforderungen geändert werden müssen. Beispielsweise könnte eine bestimmte Technologie nicht wie erwartet funktionieren, oder die Integration in bestehende Systeme stellt sich als komplexer heraus als ursprünglich angenommen.

Tipp: Binden Sie Ihre technischen Teams frühzeitig in den Anforderungsprozess ein und stellen Sie sicher, dass mögliche technische Risiken und deren Auswirkungen auf die Anforderungen regelmäßig überprüft werden.

6. Veränderte Marktbedingungen

Der Markt entwickelt sich stetig weiter, und neue Wettbewerber oder veränderte Kundenanforderungen können die Richtung eines Projekts drastisch beeinflussen. Ein Beispiel könnte sein, dass ein Konkurrent ein ähnliches Produkt schneller auf den Markt bringt, was zu einer Beschleunigung des Projekts oder der Einführung neuer Funktionen führen kann.

Tipp: Halten Sie das Marketing und den Vertrieb eng in den Kommunikationsfluss integriert, um sicherzustellen, dass Marktveränderungen rechtzeitig in den Anforderungsprozess einfließen.

7. Erhöhte Anzahl an Change Requests

Wenn die Zahl der Änderungsanfragen zunimmt, ist dies oft ein Anzeichen dafür, dass die ursprünglichen Anforderungen nicht mehr den aktuellen Projektbedürfnissen entsprechen. Es kann sich hierbei um kleine Anpassungen oder größere Umstellungen handeln, die übersehen wurden oder erst im Verlauf des Projekts klar wurden.

Tipp: Führen Sie eine regelmäßige Analyse der Change Requests durch und bewerten Sie, ob sich daraus eine systematische Änderung der Anforderungen ableiten lässt.

8. Unklare oder widersprüchliche Kommunikation zwischen Stakeholdern

Ein Zeichen dafür, dass Anforderungen sich ändern, ist, wenn Stakeholder unterschiedliche Vorstellungen über den Projektfortschritt oder die Projektziele haben. Dies kann zu widersprüchlichen Anfragen oder Missverständnissen führen, die auf nicht mehr aktuelle Anforderungen zurückzuführen sind.

Tipp: Halten Sie regelmäßige Workshops und Statusmeetings ab, in denen die Anforderungen und ihre Umsetzung mit allen Stakeholdern besprochen und abgestimmt werden.

9. Neue Technologien oder Tools werden eingeführt

Die Einführung neuer Technologien oder Tools kann die ursprünglichen Anforderungen erheblich beeinflussen. Wenn beispielsweise ein neues Content-Management-System eingeführt wird, könnten die bestehenden Anforderungen an die Website-Anpassung nicht mehr relevant sein oder zusätzliche Funktionen erfordern.

Tipp: Beziehen Sie die IT-Abteilung eng in den Anforderungsprozess ein, um technologische Veränderungen frühzeitig zu erkennen und zu bewerten, wie diese die bestehenden Anforderungen beeinflussen.

10. Änderungen im Projektteam

Personelle Veränderungen, insbesondere auf Führungsebene oder bei Schlüsselrollen im Projektteam, können ebenfalls dazu führen, dass sich Anforderungen ändern. Neue Teammitglieder bringen oft andere Perspektiven und Prioritäten mit, die die bisherigen Anforderungen beeinflussen können.

Tipp: Stellen Sie sicher, dass es eine solide Dokumentation und ein klares Verständnis der bisherigen Anforderungen gibt, damit neue Teammitglieder auf einer stabilen Grundlage arbeiten können.

11. Änderung der Projektziele oder KPIs

Wenn sich die Ziele eines Projekts oder die Key Performance Indicators (KPIs) ändern, ist dies ein deutlicher Hinweis darauf, dass auch die Anforderungen angepasst werden müssen. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn ein Projekt ursprünglich auf Kostensenkung ausgelegt war, sich nun aber auf Qualität und Kundenservice fokussieren soll.

Tipp: Überprüfen Sie regelmäßig die Projektziele und KPIs und bewerten Sie, ob sie weiterhin mit den aktuellen Anforderungen übereinstimmen.

12. Negative Rückmeldungen von Benutzern oder Testern

Feedback von Benutzern oder Testern kann wertvolle Hinweise darauf geben, dass die Anforderungen nicht mehr den Erwartungen entsprechen. Dies könnte bedeuten, dass bestimmte Funktionen nicht wie gewünscht genutzt werden oder dass die Benutzererfahrung nicht den Anforderungen entspricht.

Tipp: Führen Sie regelmäßig Benutzerakzeptanztests durch und nutzen Sie das Feedback, um Anforderungen gegebenenfalls anzupassen.

13. Veränderte Ressourcenverfügbarkeit

Wenn sich die Ressourcenverfügbarkeit – sei es in Form von Budget, Personal oder Technologie – ändert, müssen auch die Anforderungen möglicherweise angepasst werden. Dies kann dazu führen, dass der Funktionsumfang reduziert oder zusätzliche Ressourcen für bestimmte Bereiche bereitgestellt werden.

Tipp: Stellen Sie sicher, dass der Ressourcenbedarf kontinuierlich überwacht wird und Änderungen in der Verfügbarkeit sofort in den Anforderungsprozess einfließen.

14. Kostenschätzungen oder Zeitpläne sind plötzlich nicht mehr realistisch

Wenn die ursprünglichen Kostenschätzungen oder Zeitpläne plötzlich nicht mehr realistisch erscheinen, ist dies oft ein Zeichen dafür, dass sich Anforderungen im Laufe der Zeit verändert haben. Dies kann auf eine schleichende Ausweitung des Projektumfangs (Scope Creep) hinweisen.

Tipp: Führen Sie regelmäßige Kosten- und Zeitplanüberprüfungen durch und vergleichen Sie diese mit den ursprünglichen Anforderungen, um zu erkennen, ob Anpassungen notwendig sind.

15. Änderung der Wettbewerbslandschaft

Ein veränderter Wettbewerb, sei es durch neue Marktteilnehmer oder technologische Durchbrüche bei Konkurrenten, kann die Anforderungen eines Projekts erheblich beeinflussen. In solchen Fällen müssen möglicherweise neue Funktionen oder Features entwickelt werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Tipp: Implementieren Sie ein kontinuierliches Wettbewerbsmonitoring und analysieren Sie regelmäßig, wie sich Veränderungen auf die bestehenden Anforderungen auswirken.

Fazit

Das Requirements Management ist ein dynamischer Prozess, der ständigen Anpassungen unterliegt. Die frühzeitige Erkennung von geänderten Anforderungen ist entscheidend, um das Risiko von Verzögerungen, zusätzlichen Kosten und Qualitätsproblemen zu minimieren. Die 15 Zeichen, die ich in diesem Blog aufgezeigt habe, dienen als Orientierungspunkte, um Anforderungen effizient und zeitnah zu identifizieren und zu managen.

Ein professionelles Anforderungsmanagement stellt sicher, dass Änderungen strukturiert und systematisch erfasst werden, anstatt sie chaotisch und unkontrolliert in den Projektverlauf einfließen zu lassen. Durch eine enge Zusammenarbeit mit allen Stakeholdern und die kontinuierliche Überwachung externer und interner Faktoren kann sichergestellt werden, dass Anforderungen nicht unbemerkt geändert werden und das Projekt in Schwierigkeiten gerät.

Ein erfahrener Projektberater sorgt dafür, dass solche Änderungen frühzeitig erkannt und angemessen in den Projektverlauf integriert werden – ein entscheidender Erfolgsfaktor für jedes Projekt.

About the author 

Thorsten Körner

Thorsten Körner ist Senior Project Consultant aus Leidenschaft!
Als Certified Scrum-Master und Certified Scrum Product-Owner unterstützt er große und mittlere Projekte. Thorsten Körner blickt auf mehr als 25 Jahre Projekt-Erfahrung in Software Entwicklungs-Projekten in den unterschiedlichsten Branchen, von Energie-Wirtschaft über Banken/Finanzwirtschaft, Maschinenbau und die TV/Entertainment Industrie bis hin zum E-Commerce in zahlreichen Shops zurück

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